Metzg-Frieda geht in Pension

Wangs. – «Da händ er no chli Wurscht». Frieda Kalberer steht hinter dem zehn Meter langen Kühlkorpus «ihrer» Metzgerei im Wangser Dorfzentrum. Freundlich, fröhlich, motiviert. So wie fast tagtäglich seit fast 50 Jahren. Die 73-jährige kassiert bei einer Kundin ein, deren Kinder geniessen die Lyoner.

Solche Szenen – mit Frieda Kalberer in der Hauptrolle – wird es bald nicht mehr geben. Am 31. Mai geht sie in Pension, die Metzg-Frieda. So heisst sie seit einem halben Jahrhundert im Dorf. « Ich durfte viele treue Kunden bedienen und hatte es immer gut mit ihnen.» Sie wünscht sich diese Treue weiterhin für das Geschäft. Seit rund zwölf Jahren wird dieses von ihren Söhnen, René und Urs, geführt. Sie sind ihrer fleissigen Mutter dankbar für die langjährige Unterstützung. «Sie hat unglaublich viel für das Wohl der Metzgerei geleistet», sind sich Brüder einig.

Vitrine keine Grenze

Frieda Kalberer blickt zurück. Spricht von der «Wangser Buurewurscht». Diese Spezialität gehört schon mindestens so lange zum Sortiment der Metzgerei Kalberer, wie sie zum Fachpersonal. «Früher haben wir diese Wurst noch weit herum verschickt.» Im Vergleich zu damals sei heute vor allem der Trend zu Fertiggerichten stark gestiegen. Pfeffer, Spätzli, Kartoffelsalat. «Viele Leute haben heute nicht mehr genug Zeit zum Kochen.»

Traditionen sind Frieda Kalberer wichtig. «Noch heute bekommen die Kinder bei mir ein Rädli Wurst». Sie schmunzelt: «Wenn sie fragen, bekommen auch Erwachsene eines.» Die grosse Vitrine zwischen Frieda Kalberer und der Kundschaft war nie eine Grenze. Im Gegenteil: «Ich habe viele schöne Bekanntschaften machen können.»

Mehr Zeit für Enkel

Mit Blick auf den 31. Mai, Metzg-Friedas letzten Arbeitstag, sagt sie: «Ich freue mich auf die Zeit danach.» So ganz glauben mag man ihr das nicht, ihr Gesichtsausdruck führt zu diesem Gedanken.

Die «neue Zeit» will die 14-fache Grossmutter mit Ehemann Peter und den Enkelkindern verbringen. Mit ihnen wird Metzg-Frieda gelegentlich an ihren langjährigen Arbeitsplatz zurückkehren. Als Kundin, auf der anderen Seite der Vitrine. Und auch sie wird ein «Rädli Wurscht» erhalten – wenn sie danach fragt…